Wintergäste: Michael Köhlmeier

Das Mädchen mit dem Fingerhut



Sonntag, 29. Januar 2017 | 16.30 Uhr

 

 

Wintergäste reloaded

Michael Köhlmeier: Das Mädchen mit dem Fingerhut

 

Lesung mit Marie Jung

Dramaturgie/Realisation: Marion Schmidt-Kumke

 

Ein kleines Mädchen, verlassen in einer westeuropäischen Stadt, kennt ein einziges Wort der ihr fremden Welt: Polizei. Sie reagiert darauf mit dem erschütternden Schrei eines Kindes – mit unbedingtem Überlebensinstinkt. Sie trifft auf zwei Jungen, die genauso alleine sind wie sie. Gemeinsam irren die Kinder zu dem Haus, das der Ältere zwar noch nie gesehen hat, von dem er aber ahnt, dass sie dort Essen, eine Heizung und Platz zum Schlafen finden könnten.

Sie teilen keine gemeinsame Sprache, aber die Sorge füreinander. Und das Wissen um die Illusionen, die sich die Welt von ihnen macht. Eine Welt, in der das Mädchen zum „Liebling“ Wildfremder wird, während die Jungen ihre Kapuzen tief ins Gesicht ziehen gegen die Kälte und gegen jene, die Kinder mit „Augenbrauen wie du“ nicht mögen.

Köhlmeier verzichtet auf räumliche und zeitliche Bezüge – seine Erzählung wird so zum modernen Märchen, das an Grundsätzliches rührt: Wie begegnen wir dem Fremden? Was sind unsere Projektionen? Meisterhaft erzählt er in schlichter, fast sachlicher Sprache, in der die Figuren uns tief bewegen, aber zugleich ihre Distanz wahren.

 

Michael Köhlmeier (*1949)

Geboren und aufgewachsen in Hohenems/Vorarlberg, studierte Michael Köhlmeier neben Politikwissenschaft und Germanistik auch Mathematik und Philosophie. Als „glänzender Erzähler“ (FAZ), dessen Romane, Novellen und Gedichte in viele Sprachen übersetzt werden, pflegt er in hochgelobten Hörspielen und als Musiker seit den 70er Jahren auch die mündliche Überlieferung: Herausragend, wie er sich mit den Mythen und Legenden des klassischen Altertums auseinander setzt, die er frei nach- und weitererzählt in die Gegenwart hinein trägt (als Radioserie seit 2007). Als genauer Beobachter der Zeitgeschichte ergründet er mit außergewöhnlichem Gespür für die Urkräfte des Erzählens auch die Märchen und Sagen der Gegenwartsgesellschaft – so etwa in „Abendland“ (2007), seinem Generationenroman über den modernen Menschen des 20. Jahrhunderts, oder in „Zwei Herren am Strand“ (2014). 2017 erhält Michael Köhlmeier für sein Gesamtwerk den Marie Luise Kaschnitz-Preis.

Home

Infos & Termin

 

 

Sonntag, 29. Januar 2017 / 16.30 Uhr / WERKRAUM SCHÖPFLIN

TICKETS                     

€ 18 / 9 (ermäßigt für Jugendliche)

VORVERKAUF

ticket(at)werkraum-schoepflin.de oder Tel. +49 (0)7621 914 26 60