Wintergäste: Erich Kästner

Der Gang vor die Hunde (Fabian)



Sonntag, 5. Februar 2017 | 16.30 Uhr

 

 

Wintergäste reloaded

Erich Kästner: Der Gang vor die Hunde (Fabian)

 

Lesung mit Vincent Leittersdorf

Dramaturgie/Realisation: Marion Schmidt-Kumke

 

„Fabian“ ist Kästners Meisterwerk – bevor der Großstadtroman 1931 erscheinen konnte, drang sein Verleger aus Angst vor Zensur auf wesentliche Kürzungen – seit 2013 liegt er nun unter dem ursprünglichen Titel „Der Gang vor die Hunde“ rekonstruiert vor: radikaler, obszöner, politischer.

Der junge Germanist Fabian wandelt als Moralist und Skeptiker durch die Straßen und Hinterzimmer Berlins. Er versucht, sich durchzuschlagen; eine kleine Weile können ihn ein enger Freund und die Liebe vor dem Gefühl der Sinnlosigkeit bewahren – doch schließlich wird er zum Realisten und geht daran zugrunde.

Das Werk gilt mit seiner entschieden antifaschistischen Haltung als politischster deutscher Roman vor 1945. „Dieses Buch ist nichts für Konfirmanden, ganz gleich, wie alt sie sind“, schrieb der Autor selbst, womit er wohl nicht nur die frivolen, luftigen und amüsanten Passagen meinte.

Dieses „Plädoyer für die Vernunft in unvernünftigen Zeiten“ (Reich-Ranicki) ist gerade in der Schilderung von Angriffen auf sicher geglaubte Werte und Moral brandaktuell. Ob die Bedeutung von Moral eine Illusion ist?

 

Erich Kästner (1899 – 1974)

Als Erich Kästner am 10. Mai 1933 in Berlin Augenzeuge der Bücherverbrennung wurde, war auch sein „Fabian“ dabei. Seine zeitkritischen und satirischen Texte hatten ihn in Ungnade fallen lassen. Der Journalist und Schriftsteller lebte und arbeitete trotzdem weiter in Berlin und publizierte im Ausland. Marcel Reich-Ranicki bezeichnete ihn einmal als einen der „Moralisten, die zugleich Spaßmacher sind“, als „Deutschlands hoffnungsvollsten Pessimisten und der deutschen Literatur positivsten Negationsrat“. Mit seiner Ahnung, dass die Zustände nicht besser, sondern immer nur schlimmer werden sollten, hatte er Recht behalten. Zwei Gedichtbände erschienen bis 1929, ebenso sein bekanntestes Kinderbuch „Emil und die Detektive“. Nach dem Krieg lebte Kästner in München und rechnete als Mitglied der Schaubude sowie in seinen Hörspielen und Liedern mit den Nazis ab.

 

 

 

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Infos & Termin

 

Sonntag, 5. Februar 2017 / 16.30 Uhr / WERKRAUM SCHÖPFLIN

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€ 18 / 9 (ermäßigt für Jugendliche)

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